Karl-Lehr-Brücke: ADFC testet Umleitung – Sicherheitstechnisch nicht akzeptabel
Die Vollsperrung des Karl-Lehr-Brückenzugs stellt eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Duisburg für mehrere Wochen vollständig außer Betrieb. Besonders betroffen: der Radverkehr.

Der ADFC Duisburg hat die von der Stadt empfohlene Umleitungsstrecke am 15. April gemeinsam mit Politik, Öffentlichkeit und Presse befahren – mit einem eindeutigen Ergebnis:
„Die Umleitungsstrecke ist sicherheitstechnisch nicht akzeptabel.“
Teilgenommen haben Vertreterinnen und Vertreter der SPD- und Linke-Ratsfraktion sowie der Grünen, der SPD und Linken aus der Bezirksvertretung Homberg/Ruhrort/Baerl. Die Stadtverwaltung konnte eine Teilnahme an der Befahrung nicht einrichten.
Gefährliche Strecke statt sichere Umleitung
Die offiziell ausgeschilderte Route führt Radfahrende durch Industrie- und Hafengebiete und über die Aakerfährbrücke. Was auf dem Papier nach einer Alternative aussieht, entpuppt sich in der Praxis als Problemstrecke:
- Abschnitte mit starkem Lkw-Verkehr
- Radwege, die abrupt im Nichts enden
- Engstellen und Konflikte mit entgegenkommendem Radverkehr
- Unübersichtliche Querungen von Hafenausfahrten
Diese Einschätzung wurde auch medial breit aufgegriffen und bestätigt. Der WDR berichtet von erheblichen Gefahren insbesondere im Hafenbereich, wo sich Rad- und Schwerlastverkehr begegnen. Auch die WAZ beschreibt mehrere konkrete Gefahrenstellen entlang der Route und greift die deutliche Kritik des ADFC auf. Darüber hinaus berichten auch Studio 47 und Radio Duisburg über die Befahrung und teilen die Kritik an der aktuellen Umleitungsführung. Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung zu den vorgebrachten Kritikpunkten – weder des ADFC noch der Linken im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr oder zu den Rückfragen der Medien – liegt bislang nicht vor.
„Nicht zumutbar – erst recht nicht für Kinder“
Besonders kritisch: Die Strecke ist Teil alltäglicher Wege – auch für Schülerinnen und Schüler.
„Das ist keine Strecke, die man Kindern oder unsicheren Radfahrenden zumuten kann.“
Gerade vor dem Hintergrund, dass die Karl-Lehr-Brücke eine zentrale Verbindung im Duisburger Alltagsradverkehr darstellt, ist die aktuelle Lösung aus Sicht des ADFC nicht tragfähig.
Planung ohne Realitätscheck – trotz jahrelanger Vorlaufzeit
Ein zentrales Problem aus Sicht des ADFC: Die Maßnahme war seit Jahren bekannt – genutzt wurde diese Zeit offensichtlich nicht. Bereits bei der Sperrung der Brücke vor rund zweieinhalb Jahren wurden Erfahrungen mit Umleitungsführungen gesammelt und konkrete Verbesserungspotenziale benannt. Diese Erkenntnisse sind in die aktuelle Planung jedoch erkennbar nicht eingeflossen.
„Es wirkt nicht so, als wäre diese Umleitung vorher ernsthaft überprüft worden.“
ADFC zeigt konkrete Lösungen auf
Der ADFC Duisburg belässt es nicht bei Kritik, sondern hat bei der Befahrung auch kurzfristig umsetzbare Maßnahmen benannt, mit denen sich die Situation deutlich entschärfen ließe:
- Parkverbot auf der Sympherstraße während der Umleitungsphase, um die Fahrbahn zu verbreitern, Überleitungen von endenden Radwegen besser einsehbar zu machen und Konflikte mit dem dort starken Lkw-Verkehr zu reduzieren
- Sofortige Sicherung der derzeitigen Radverkehrsführung auf der Bürgermeister-Pütz-Straße an der A59, wo der Radverkehr aktuell auf der Gegenseite im Gegenverkehr geführt wird
- Sichere und klar erkennbare Überleitungen an endenden Radwegen, z.B. auf der Gerrickstraße
- Verbesserung der Situation an den zahlreichen Lkw-Ausfahrten auf „Am Nordhafen“, etwa im Bereich großer Logistikstandorte wie Emons
Diese Maßnahmen wären aus Sicht des ADFC kurzfristig umsetzbar und hätten die größten Gefahrenstellen deutlich entschärft. Dieser Eindruck wurde bei der gemeinsamen Befahrung von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Öffentlichkeit bestätigt. Zahlreiche kritische Punkte wurden unmittelbar vor Ort sichtbar.
Offensichtlich aufgeschreckt durch unsere gelungene öffentlichwirksame Aktion handelte die Verwaltung noch ganz kurzfristig und übernahm einige Vorschläge. Leider nicht alle und einige auch mangelhaft.
Beispiele sieht man in den Bildern 01 bis 09, die den aktuellen Stand widerspiegeln.














Verpasste Chance für dauerhafte Verbesserungen
Die aktuelle Situation zeigt nicht nur akuten Handlungsbedarf – sie offenbart auch eine verpasste Chance:
Die Sperrung hätte genutzt werden können, um entlang der Umleitungsstrecke strukturelle Verbesserungen für den Radverkehr umzusetzen. Viele der identifizierten Problemstellen bestehen unabhängig von der Baustelle und betreffen den Alltagsradverkehr dauerhaft.
Stattdessen beschränkt sich die Planung auf eine provisorische Umleitung, ohne nachhaltige Verbesserungen zu realisieren.
Strukturelles Problem bleibt bestehen
Unabhängig von den kurzfristigen Verbesserungen zeigt der Fall ein grundsätzliches Defizit:
Baustellen werden in Duisburg noch immer primär aus Sicht des Autoverkehrs geplant – der Radverkehr wird nachträglich „mitgedacht“.
Gerade bei einer so zentralen Verbindung hätte es einer frühzeitigen, systematischen und realitätsnah geprüften Lösung für den Radverkehr bedurft.
Fazit
Die Befahrung hat deutlich gemacht: Erkenntnisse aus früheren Maßnahmen ernst nehmen, Planung rechtzeitig beginnen und den Radverkehr von Anfang an gleichberechtigt berücksichtigen. Und Hinweise aus der Bevölkerung und vom ADFC wahrnehmen und ernst nehmen.
Sichere Mobilität sieht anders aus.
Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen
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