Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Duisburg e. V.

Zukunft abgefahren? Stellungnahme zum vorgelegten Radwegeprogramm

Unter dem Betreff „Strategische Mobilitätsplanung – Mobilitätskonzept Duisburg“ hat die Stadtverwaltung Anfang Juni 2026 zwei Drucksachen vorgelegt, die von hoher Relevanz für die Zukunft des Radverkehrs in Duisburg sind. Wir nehmen Stellung.

Unter dem Betreff „Strategische Mobilitätsplanung – Mobilitätskonzept Duisburg“ hat die Stadtverwaltung Anfang Juni 2026 zwei Drucksachen vorgelegt, die von hoher Relevanz für die Zukunft des Radverkehrs in Duisburg sind: „Arbeitsprogramm Mobilitätskonzept“ (DS 24-0727/1) und „Radwegeprogramm“ (DS 26-0650). Mit folgender Stellungnahme haben wir uns an die Mitglieder des Ausschusses Stadtentwicklung und Verkehr gewandt:

Der ADFC begrüßt, dass mit den Drucksachen nun eine konkrete Diskussionsgrundlage vorliegt. Dem Anspruch der „Gestaltung der Mobilität von Morgen“ folgend, benennt das Arbeitsprogramm Mobilitätskonzept sinnvolle strategische Schwerpunkte, darunter die Verbesserung des Radwegenetzes.

Ein Blick auf das Radwegeprogramm zeigt dann jedoch: Der Anspruch der „Gestaltung der Mobilität von Morgen“ mit dem Fahrrad als klima-, umwelt- und menschenfreundlichen Verkehrsmittel wird mit diesem Programm meilenweit verfehlt. Duisburg ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und bekennt sich zur Vision, den Radverkehrsanteil auf durchschnittlich 25% zu erhöhen. Viele Städte zeigen bereits, wie das funktionieren kann: Menschen steigen aufs Fahrrad, wenn sie sich damit sicher, zügig und angenehm durch ihre Stadt bewegen können. Dafür braucht es die entsprechende Infrastruktur.

Das Radwegeprogramm enthält ein weitgehend aus dem Abschlussbericht Mobilitätskonzept übernommenes Zielnetz. Es wäre zunächst dieses Zielnetz selbst mit Fahrrad-Sachverstand und Bürgerbeteiligung zu diskutieren – wir möchten an dieser Stelle bewusst nicht auf Einzelheiten eingehen. Wenn ein gutes Zielnetz steht, sollte ein Programm schlüssig darauf aufbauen und Maßnahmen vorstellen, um Realität und Zielnetz sukzessive miteinander in Einklang zu bringen. Das vorgelegte Programm bleibt hingegen Stückwerk. Die Maßnahmen reichen nicht ansatzweise aus, um sichere und attraktive Verbindungen zwischen den Stadtteilen und gute Alltagswege innerhalb der Stadtteile zu schaffen. Zudem folgen sie keiner nachvollziehbaren Priorisierung.

Zwar ist die aufgestellte Liste auf den ersten Blick beeindruckend – die Freude wird jedoch beim zweiten Blick schnell wieder getrübt: Ein beachtlicher Teil der Maßnahmen befindet sich erst im Planungsstadium. Die der Drucksache beigefügten Dokumente werden den Anforderungen eines Mobilitätskonzepts schon handwerklich nicht im Mindesten gerecht. Im Dschungel aus Umsetzungszeiträumen, Priorität und einem nicht näher ausgeführten Bearbeitungsstand lässt sich nicht ansatzweise nachvollziehen, was das strategische Zielbild des „Programms“ ist und welche Maßnahmen in absehbarer Zeit überhaupt eine Umsetzungschance haben. Zu befürchten ist, dass Maßnahmen mit geringer Priorität und späten Umsetzungshorizonten auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. Auf das Dechiffrieren der in Anlage 1 „Radwegeprogramm“ genannten Maßnahmen möchten wir im Rahmen dieser Stellungnahme bewusst verzichten. Schockierend ist jedoch, dass der lebensgefährliche Kreisverkehr Ruhrort mit geringer Priorität, Umsetzung in frühestens fünf Jahren und „roter Ampel“ beim Bearbeitungsstand eingestuft wird.

Die Priorität, die dem Radverkehr insgesamt beigemessen wird, wird aus einem schlichten Satz deutlich: „Aktuell stehen in der Verwaltung drei Stellen mit dem Schwerpunkt Radverkehr zur Verfügung, was die Anzahl der Maßnahmen und deren Bearbeitungsfortschritt einschränkt.“ Es ist ernüchternd, dass angesichts dieser Zustandsbeschreibung von keiner der Drucksachen ein Impuls ausgeht, die dringend erforderliche Aufstockung der personellen Ressourcen anzugehen. Das Argument der schwierigen Haushaltslage greift hier zu kurz: Keine Verkehrsinfrastruktur ist auf mittlere Sicht so kostengünstig zu unterhalten wie diejenige für den Rad- und Fußverkehr! Duisburg riskiert, laufende Fördertöpfe mit Fördermitteln in Höhe von bis zu 90 % zu verwirken.

Fazit: So sehr der ADFC Duisburg einzelne Maßnahmen im Radwegeprogramm begrüßt – die Vision einer fahrradfreundlichen Stadt wird damit leider nicht Realität werden. Das „Radwegeprogramm“ entspricht nicht im Mindesten den Anforderungen einer „konkreten Handlungsstrategie“, wie sie nun vor beinahe zwei Jahren vom Rat beauftragt wurde. 
Duisburg verpasst mit diesen Vorlagen erneut die Chance, notwendige Weichen für eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung zu stellen und den Weg zu einer lebenswerteren Stadt einzuschlagen! Mit dem derzeitigen Personalschlüssel wird das Ruder nicht herumzureißen sein; der ADFC Duisburg stellt vielmehr die Frage, ob schon das vorgelegte „Radwegeprogramm“ nicht eher Luftschlösser zeichnet.

Wir fordern die Fraktionen deshalb auf, der Vorlage nicht zuzustimmen und eine Nachbesserung zu verlangen, damit ein fahrradfreundliches Duisburg wirklich Realität wird.

https://duisburg.adfc.de/artikel/zukunft-abgefahren-stellungnahme-zum-vorgelegten-radwegeprogramm

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