
Radverkehr in Duisburg: Mehr Unfälle, zu wenig Erkenntnisse
Die Lage für Radfahrende in Duisburg bleibt angespannt: Der Verkehrsbericht 2025 zeigt steigende Unfallzahlen bei gleichzeitig fehlenden Detailanalysen zu Ursachen und Gefahrenstellen. Wie kann die Situation wirksam verbessert werden?
Der Verkehrsbericht 2025 der Polizei Duisburg zeigt eine Entwicklung, die für den Radverkehr in Duisburg Anlass zur Sorge gibt. Während die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle nicht weiter steigt, nimmt die Zahl der verunglückten Rad- und Pedelec-Fahrenden weiter zu. Gleichzeitig unterstreichen aktuelle Zahlen aus Nordrhein-Westfalen, dass es sich nicht um ein lokales, sondern um ein landesweites Problem handelt.
Entwicklung: Radfahrende weiterhin stark betroffen
Im Jahr 2025 verunglückten in Duisburg 458 Menschen mit dem Fahrrad oder Pedelec. Das sind mehr als im Vorjahr (437) und deutlich mehr als noch 2021 (411). Damit stellen Radfahrende nach wie vor die zweitgrößte Gruppe unter den Verunglückten.
Gleichzeitig stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden auf 1.577, die Gesamtzahl der Verunglückten auf 1.892. Eine Entspannung der Lage für den Radverkehr ist daraus nicht abzuleiten.
Blick nach NRW: Deutlich mehr getötete Radfahrende
Die Entwicklung in Duisburg fügt sich in einen besorgniserregenden Landestrend ein. Nach Angaben des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen und des ADFC NRW ist die Zahl der getöteten Rad- und Pedelecfahrenden im Jahr 2025 landesweit deutlich gestiegen: von 80 auf 106 Menschen (+33 %).
Statistisch bedeutet das: In NRW werden im Durchschnitt zwei Radfahrende pro Woche im Straßenverkehr getötet.
Auffällig ist dabei:
- Rund drei Viertel der tödlichen Unfälle passieren mit Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmender
- In etwa zwei Dritteln der Fälle sind Autofahrende die Hauptverursachenden
- Häufige Ursachen sind Vorfahrtsverstöße sowie Fehler beim Abbiegen oder Einfahren
Der ADFC NRW bewertet diese Entwicklung als „alarmierend“ und fordert konsequente Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit.
Altersstruktur: Breites Alltagsproblem
Auch die Duisburger Zahlen zeigen: Radverkehrsunfälle betreffen alle Altersgruppen.
- Kinder: 40
- Jugendliche: 9
- Junge Erwachsene: 21
- Erwachsene: 284
- Senioren: 90
Auffällig ist vor allem der hohe Anteil bei Erwachsenen sowie bei älteren Menschen. Der Radverkehr ist damit kein Randthema einzelner Gruppen, sondern betrifft den Alltagsverkehr insgesamt.
Was der Bericht nicht zeigt
Der Verkehrsbericht benennt allgemeine Unfallursachen wie Vorfahrtsverstöße, Abbiegefehler oder unangepasste Geschwindigkeit. Eine spezifische Auswertung für den Radverkehr fehlt jedoch.
Offen bleiben damit zentrale Fragen:
- Wo passieren die meisten Unfälle?
- Welche Konfliktsituationen sind typisch?
- Welche Rolle spielt die konkrete Verkehrsführung?
Ohne diese Informationen lassen sich weder Schwerpunkte erkennen noch Maßnahmen gezielt entwickeln.
Prävention: Fokus auf Verhalten
Die dargestellten Maßnahmen der Polizei konzentrieren sich vor allem auf Verhaltensprävention – etwa Helmtragen, bessere Sichtbarkeit und Aufklärung zum „Toten Winkel“.
Diese Ansätze sind sinnvoll, greifen aber allein zu kurz. Der Bericht macht deutlich, dass strukturelle Aspekte wie sichere Infrastruktur bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Grenzen der Statistik
Die Unfallzahlen bilden ausschließlich polizeilich erfasste Fälle ab. Gerade im Radverkehr ist jedoch davon auszugehen, dass viele leichtere Unfälle nicht gemeldet werden. Das tatsächliche Unfallgeschehen dürfte daher umfangreicher sein als die Statistik zeigt.
Weitere Entwicklungen
Auffällig ist zudem der Anstieg von Unfällen mit Personenschaden und anschließender Flucht (von 144 auf 182 Fälle). Für ungeschützte Verkehrsteilnehmende wie Radfahrende hat dies besondere Relevanz.
Auch langfristig zeigt sich keine Entwarnung: Bereits in den Vorjahren lagen die Unfallzahlen im Radverkehr auf vergleichbarem Niveau oder sind gestiegen. Parallel nimmt die Bedeutung von Pedelecs weiter zu.
Einordnung und Forderungen des ADFC Duisburg
Die landesweiten Entwicklungen und die Duisburger Zahlen weisen in dieselbe Richtung: Mehr Sicherheit im Radverkehr erfordert strukturelle Veränderungen.
Aus Sicht des ADFC Duisburg ergeben sich daraus folgende Schwerpunkte:
- Mehr Transparenz: Detaillierte Auswertungen speziell für den Radverkehr (Unfalltypen, Orte, Beteiligte, Infrastrukturbezug) müssen verfügbar sein
- Infrastruktur in den Fokus: Sichere Knotenpunkte, klare Führungen und konfliktarme Lösungen sind entscheidend
- Unfallkommission sichtbar machen: Unfallhäufungsstellen und Maßnahmen sollten öffentlich nachvollziehbar sein
- Vision Zero ernst nehmen: Verkehrspolitik und Verwaltung müssen ihr Handeln konsequent am Ziel ausrichten, schwere Unfälle zu vermeiden
- Zielgruppen breiter berücksichtigen: Neben Schulwegen auch Alltagsrouten für Erwachsene und Senioren verbessern
Auf Landesebene arbeitet der ADFC NRW inzwischen gemeinsam mit weiteren Akteuren im Rahmen der Initiative „#sicherimStraßenverkehr“ an konkreten Empfehlungen für mehr Radverkehrssicherheit. Ein neu gegründeter Arbeitskreis bündelt Expertise aus Verwaltung, Polizei, Kommunen und Verbänden, um Maßnahmen im Sinne der Vision Zero zu entwickeln.
Fazit
Der Verkehrsbericht 2025 zeigt: Die Situation für Radfahrende in Duisburg verbessert sich nicht. Gleichzeitig fehlen entscheidende Detailinformationen, um gezielt gegensteuern zu können.
Der Blick auf Nordrhein-Westfalen macht zudem deutlich, wie ernst die Lage ist: steigende Unfallzahlen und deutlich mehr Todesopfer.
Für eine wirksame Verkehrssicherheitsarbeit braucht es daher beides: mehr Transparenz in den Daten – und einen konsequenten Ausbau sicherer Infrastruktur.
Hinweis: Am Mittwoch, den 20. Mai, fahren wir zum Ride of Silence nach Krefeld, bei dem den im Straßenverkehr getöteten Radfahrenden gedacht wird.